Schon im letzten Jahr hat WIR NOI auf seinem Telegram-Kanal Tag für Tag die Raunächte gepostet, die das WIR-NOI-NEWS-Team mit sehr viel Liebe und Sorgfalt vorbereitet haben. Auch in diesem Jahr, kann man sich im Kanal in den Rauhnächten begleiten lassen.
Vorher wollen wir euch jedoch die Hintergründe zu den besonderen Nächten zwischen Weihnachten und Heilige Drei Könige erzählen:
Was sind die Rauhnächte?
Bei uns sind die Rauhnächte mit ihren vorchristlichen Wurzeln noch vielen ein Begriff. Es sind die „12 heiligen Nächte“, die in der Nacht vom 25. Dezember beginnen und in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar enden.
Der Name hat eine mehrfache Bedeutung: Zum einen sind es die Nächte des Rauchs, weil geräuchert wird, aber sie sind auch „rauh“ im Sinne von gefährlich, was im Dialekt auch „haarig“ heißt, weil laut unserem alten Volksglauben die Percht auf die Wilde Jagd geht, was durchaus auch was Respekteinflössendes hat.
Die Percht
Die Percht ist eine sagenumwobene, weibliche Sagengestalt, die seit Jahrhunderten als segens- und heilbringende Göttin verehrt wurde, die auch bei uns erhalten geblieben ist in unseren Bräuchen.
Kein Nikolaus und kein Weihnachten konnte die Figur der Percht in den Bergtälern ausrotten.
Sie steht für den Übergang vom Alten ins Neue und das wird oft als gefährlich angesehen, nicht wahr?
Die Perchtenläufe sind einigen von uns bekannt, dämonische Ziegen- und Steinbockgestalten, die nach Einbruch der Dunkelheit mit Getöse und Gegröl die Geister vertreiben, aber auch an unseren Schattenseiten und Ängsten rütteln, sodass sie uns bewusst werden und damit besiegt bzw. geheilt werden können.
Die Wilde Jagd
Die in Vergangenheit gefürchtete Wilde Jagd jault, schreit und klagt in den Rauhnächten durch die Lüfte über das Land hinweg.
Die Percht ist eine Gamshüterin, Beschützerin von Wild und Wald und gerade in der Zeit, wenn sie mit ihrem Gefolge durch das Land zieht, ist die Brunftzeit von Gams- und Steinwild, und ist hohe Rauschzeit beim Schwarzwild; Reh und Hirsch ziehen sich hingegen in Stille und Ruhe zurück.
Eine Zeit, in der auch die Menschen glaubten, dass in den oft stürmischen und kalten Winternächten zum einen böse Mächte ihr Unwesen treiben würden, andererseits aber auch die Seelen der Toten Zugang zur Welt der Lebenden erhalten.
Dementsprechend gab es auch besondere Regeln, z.B. das Verbot, Wäsche zu waschen und aufzuhängen.
Heutzutage ist es eine Zeit, in der die Hektik zurückgeschraubt, der Mensch zur Ruhe kommen kann, um Altes auszusortieren und sich auf das kommende Jahr vorzubereiten.
Die 12 fehlenden Nächte zwischen Mond- und Sonnenkalender
Von dieser Zeit spricht man von den „Tagen zwischen den Jahren”.
Im Volksglauben sind diese Rauhnächte die Verbindung vom Mond- und Sonnenkalender. Die 12 „Monate” der Mondphasen entsprechen 354 Tagen (ca. 29,5 Tage x 12 Mondmonate = rund 354 Tage), doch im Sonnenkalender sind es 365 Tage. Es fehlen also elf Tage, beziehungsweise zwölf Nächte.
Das macht diese 12 Nächte zu einer Zeit zwischen der Zeit und stellt somit einen Übergang dar, in der durchaus auch mal die normalen Gesetze der Natur außer Kraft gesetzt werden und die üblichen Grenzen zu den anderen Welten dünner werden. Dementsprechend gelten diese Nächte auch als „Losnächte“, denn das „Los“ entscheidet das Schicksal für das kommende Jahr. Das Wort kommt von „lösseln“ und bedeutet, die Zukunft erkunden.
Für was wir heuer die Rauhnächte nutzen
Wir lassen einen alten Brauch wieder aufleben und schauen, was uns das nächste Jahr bringt.
Jeder Tag der zwölf Rauhnächte steht stellvertretend für einen Monat des Folgejahres und gibt Hinweise darauf, was geschehen wird.
- 25. Dezember – Januar
- 26. Dezember – Februar
- 27. Dezember – März
- 28. Dezember – April
- 29. Dezember – Mai
- 30. Dezember – Juni
- 31. Dezember – Juli
- 01. Januar – August
- 02. Januar – September
- 03. Januar – Oktober
- 04. Januar – November
- 05. Januar – Dezember
Daher sollte man diese Zeit bewusst erleben und aufschreiben, was an den Tagen passiert ist. Und dabei helfen wir euch.
Worauf zu achten ist
Es wird immer am Morgen nach der Rauhnacht der vorige Tag mit der Nacht aufgezeichnet. Beispiel: Für den Januar zählt der Tag des 25. Dezembers und die Nacht vom 25. auf den 26. Dezember, für den Februar der 26. Dezember und die Nacht vom 26. auf den 27. usw.
Ob ihr nun ein Büchlein oder Heftchen herrichtet und jeden Tag eure Erlebnisse, Träume, Erkenntnisse, etc. aufschreibt oder ein Audio macht, das ihr euch abspeichert
– seid euch bewusst, dass ihr Deutungen und Interpretationen macht.
Und dass nicht alles 1 zu 1 so betrachtet werden muss.
Beispiel: Wenn ihr eine Katze tot auf der Straße findet in der dritten Rauhnacht, heißt das nicht unbedingt, dass eure Katze im März sterben wird oder sonst jemand stirbt in diesem Monat. Wer noch nie mit den Zeichen des Alltags gearbeitet hat, sollte vielmehr festhalten, was einem an diesem Tag alles auffällt und nur vorsichtig Interpretationen wagen. Vielleicht wird einem sogar erst im Monat selbst klar, für was das eine oder andere stand.
Zu interpretieren, was das eine oder andere Zeichen, das euch auffällt, ein Traum oder ein Erlebnis für das jeweilige Monat bedeutet, das braucht Übung und sollte vor allem mit Leichtigkeit gelebt werden.
Wieso wir das tun?
Wir gehen davon aus, dass wir unser Leben selbst in der Hand halten, wir schöpfen mit unseren Gedanken, Gefühlen und Taten unser Morgen. Wenn wir also diesen alten Brauch mit euch wieder aufleben lassen, dann
- weil er in Zeiten wie diesen eine Einkehr darstellt, eine Konzentration auf euch selbst, euer Leben, eure Entwicklung, eure Zukunft – etwas, was wir in diesen turbulenten Zeiten alle gebrauchen können;
- weil wir damit den Tag bewusst erleben und entdecken, dass wir Teil vom Ganzen sind, die Natur und Vieles mehr mit uns interagiert;
- weil uns vielleicht starke Wünsche und Sehnsüchte auffallen, die wir ganz bewusst aussprechen und hinschreiben können;
- weil wir in Träumen oder im ruhigen Wachzustand Visionen erhalten, die wir im kommenden Jahr (vielleicht auch gemeinsam) umsetzen können;
- weil in Zeiten des Überganges und der Wende immer auch die größten Chancen enthalten sind und der Sprung ins Neue gewagt werden kann.
Deshalb beobachten wir nicht nur die jeweiligen Tage und Nächte, sondern setzen uns bewusst mit jedem Monat auseinander. Da wir die Schmiede unseres eigenen Glücks sind, stellen wir uns passend zum Monat Aufgaben an jedem Tag in den Rauhnächten, um bewusst unser nächstes Jahr zu formen.
In diesem Sinne freuen wir uns, mit euch die Rauhnächte zu erleben und unser „Los“ gemeinsam zu erkunden!
Wir wünschen euch eine geruhsame, besinnliche Zeit
Hier geht es zu den einzelnen Rauhnächten


