Bis vor kurzem hat Meta jede Sozialmedien-Abhängigkeit als absurd abgetan und bestritten, Kinder für Gewinnabsichten mit Instagram und Facebook absichtlich süchtig zu machen. Tatsache ist: Meta hat in diesem Jahr bereits zwei Prozesse um Kindersicherheit verloren.
Jetzt ist Zuckerberg auf einen Vergleich eingegangen und zahlt bis zu 16,7 Milliarden Dollar, um den von 47 US-Bundesstaaten gegen Facebook und Instagram angestrengten Rechtsstreit beizulegen. Im Klartext heißt das: Er hätte wieder verloren.
Weitere Maßnahmen, die zum Deal gehören:
👉eine Begrenzung auf 2 Stunden pro Tag für Minderjährige,
👉kein Benachrichtigungen während der Schulzeit und
👉eine nächtliche Sperrung der Apps.
In Italien ziehen Familien mit einer Sammelklage gegen Meta und TikTok vor das Handelsgericht in Mailand. Sie fordern:
👉wirksame Alterskontrollen,
👉ein Ende der als manipulativ angesehenen Algorithmen
👉und Informationen über Risiken für Minderjährige.
Die erste Verhandlung fand am 14. Mai statt, die nächste ist für den 19. November angesetzt. Es geht dabei nicht in erster Linie um eine Schadensersatzklage, sondern um eine Unterlassungsklage, auf dass die Plattformen ihre Verhaltensweisen ändern. Es werden auch keine neuen Gesetze eingefordert, sondern die Anwendung der bereits bestehenden Gesetze zum Schutz von Minderjährigen. Meta und TikTok weisen bislang die Vorwürfe zurück.
In der Klage wird eine Schätzung von 3,5 Millionen italienischen Kindern im Alter zwischen 7 und 14 Jahren angeführt, die mit falschen oder nicht überprüften Daten auf den Plattformen präsent sind. Diese Zahl ist eine Einschätzung der Kläger, keine offiziell bestätigte Zahl.
Auch TikTok gibt indirekt Suchtpotenzial zu
Die chinesische Muttergesellschaft ByteDance hat gerade mit einem Millionenvergleich den Sucht-Prozess in Alabama/USA abgewendet. Der für heute geplanten Prozess wegen mangelhaften Schutzes Minderjähriger vor Social-Media-Sucht wurde im letzten Moment mit einer Einigung von mindestens 100 Millionen Dollar (87,70 Mio. Euro) Zahlung und der Begrenzung der täglichen Nutzungszeit für junge Nutzer auf zwei Stunden begrenzt.
Daraus folgt: Auch dieser Prozess hatte gute Chancen, gewonnen zu werden❗️ Kein Wunder: Ermittler, die sich als 13- bis 15-Jährige registrierten, bekamen unter anderem Videos über Suizide, Selbstverletzungen, Essstörungen sowie Alkohol und Sex angezeigt. Der US-Staat warf TikTok zudem vor, Eltern über Schutzfunktionen für Minderjährige getäuscht zu haben.
In diesem Jahr hatten in den USA bereits mehrere Prozesse nicht nur gegen die Instagram- und Facebook-Mutter Meta stattgefunden, sondern auch gegen die Videoplattform YouTube von Google stattgefunden. Sie wurden zu hohen Strafzahlungen verurteilt.
👉 Die Klagen von mehr als einem Dutzend weiterer US-Staaten gegen TikTok gehen weiter.
In Italien kein Genderunterricht ohne Einwilligung der Eltern
⛔Übrigens, weil wir beim Thema Beinflussung der Kinder sind: Der Gesetzesentwurf zur informierten Einwilligung der Eltern bezüglich des Genderunterrichts ist jetzt im August durchgegangen. Bildungsminister Valditara:
„Die informierte Einwilligung ist eine Entscheidung für die Freiheit in der Erziehung. Und eine Vision von Freiheit bedeutet, Familien die Möglichkeit zu geben, bei ethisch sensiblen Themen selbst zu entscheiden, wie ihr Kind erzogen werden soll.
Lasst unsere Kinder in Ruhe, lasst uns ihre Unschuld und die Natürlichkeit ihrer Gefühle nicht zerstören.
[…] Ich habe Beleidigungen und Drohungen erhalten, aber man muss den Mut haben, bestimmte Entscheidungen zu treffen – Schluss mit der Gehirnwäsche.“
Achtung vor der Alterskontrolle!
Unter anderem wurden wirksame Alterskontrollen gefordert. Ein Leser hat uns richtigerweise darauf aufmerksam gemacht, dass diese mit Vorsicht zu betrachten sind und uns auf einige Artikel von Norbert Bähring aufmerksam gemacht. Wenn Gesetzgeber plötzlich weltweit synchron das „dringende Bedürfnis“ spüren, Jugendliche durch Social-Media-Verbote mit Alterskontrolle zu schützen, dann riecht das tatsächlich faul…
So schreibt er hier:
Wenn Kinderschänder Kinder vor TikTok schützen wollen, geht es wahrscheinlich um etwas anderes. […] Ein Verbot von Social Media für Kinder und Jugendliche wird weltweit vorangetrieben, angeblich um sie zu schützen. Vorangetrieben wird es von einer globalen „Elite“, die jahrzehntelang Jugendliche und Kinder missbraucht und gequält hat und bis heute die Täter schützt. In Wahrheit geht es ihnen um ein Ende der nicht-überwachten Nutzung des Internets.
Oder hier:
Die Gesetzgeber in Kalifornien zum Beispiel gehören zu denen, die nichts ahnen. Mit 76 gegen Null Stimmen haben sie am 28. Mai für ein Gesetz gestimmt, das Jugendlichen und Kindern unter 16 Jahren Social-Media-Accounts verbietet. Assembly Bill 1709, die noch durch den Senat muss, verpflichtet Plattformen, das Alter jedes Kontoinhabers oder Antragstellers wirksam zu prüfen. Verpflichtet sind alle Plattformen, die süchtigmachende Elemente einsetzen, was zu der Frage einlädt, warum man nicht stattdessen die süchtigmachenden Elemente verbietet. Das wäre nicht allzu schwer.
Aber dann würden Staat und Tech-Konzerne ja nicht die vielen persönlichen Daten bekommen, die bei der Alterskontrolle anfallen. Porträtfotos, Ausweisdaten und was sonst noch üblicherweise zum Altersnachweis genutzt wird. Das bedeutet, dass jeder, der einen Social-Media-Account hat, im Internet nicht mehr unerkannt unterwegs sein kann und den Übergriffen der privaten Datensammler und des Staates so gut wie hilflos ausgeliefert ist.
📍Berechtigte Einwände, nicht wahr❓
Quellen:
Blog Norbert Bähring Alterkontrolle
Blog Norbert Bähring Beispiel Kalifornien

