🔆BRYONIA ALBA – DIE WEISSE ZAUNRÜBE🔆

Judith Bonfanti ist Schülerin von Ravi Roy, dem bekannten indischen Homöopathen, der seit vielen Jahren in Deutschland Ausbildungen anbietet, und sie wendet seit Jahren die Homöopathie mit Erfahrung an.

Bryonia zählt zu den bedeutendsten und beliebtesten homöopathischen Mitteln.

Dies liegt vor allem daran, dass es aufgrund klar definierter Symptome und Modalitäten leicht verordnet werden kann – meist handelt es sich um akute Beschwerden, die mit Bryonia schnell und sanft behandelt werden. Bei Bryonia wird alles schlimmer durch Bewegung und es ist alles trocken.

Einige Heilmittel können hervorragend einem der vier klassischen Elemente – Feuer, Wasser, Luft und Erde – zugeordnet werden. Diese Einteilung erleichtert nicht nur das Einprägen, sondern unterstützt auch die Auswahl des passenden Mittels (beispielsweise passt ein „erdiges“ Heilmittel zu einem ebenso „erdigen“ Menschen).

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Für die Bryoniawurzel dominiert das Element Erde – nicht nur, weil sie darin wächst, sondern auch, weil ihr gesamtes Wesen von Erdverbundenheit geprägt ist: durchgehend trocken, hart und starr, wobei schon die geringste Bewegung eine Verschlechterung bewirkt. Typisch sind zudem stechende Schmerzen, ein steinernes Gefühl, ein bitterer Mundgeschmack, eine materialistische sowie konservative Einstellung und ein Mangel an Emotionen (das fehlende Element Wasser erklärt auch den ausgeprägten Durst). Ebenso strebt der betroffene Mensch nach Sicherheit, Stabilität und Zuverlässigkeit.

Das charakteristische Symptom, dass bereits die geringste Bewegung zu einer Verschlechterung führt, betrifft den gesamten Patienten und wird so zu einem typischen Allgemeinsymptom, das sofort an Bryonia denken lässt. Treten zusätzlich stechende Schmerzen auf, die sich durch Ruhe oder Fixierung verbessern, spricht dies deutlich für den Einsatz von Bryonia.

So unkompliziert kann Homöopathie manchmal sein!

 

Verschlechterung bei geringster Bewegung!

Zu den Symptomen, die unter die Modalität „Verschlechterung bei geringster Bewegung“ fallen, zählen auch eine Verschlimmerung bei Gemütsbewegungen, beim Öffnen der Augen, durch Wärme, Husten, Atmen, Niesen, Aufsitzen, Bücken oder sogar beim Bügeln.

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Eine Besserung erfährt der Patient häufig durch Ruhe – sei es beim Liegen auf der schmerzenden Seite oder durch stabilisierenden Druck. Die ausgeprägte Trockenheit aller Schleimhäute (trockene Lippen, trockener Mund, Verstopfung mit hartem, ausgedörrtem Stuhl) ist dabei ein weiteres zentrales Kriterium.

Auch in den Gelenken zeigt sich diese Trockenheit, was zu geschwollenen, warmen Gelenken mit stechenden, reißenden und brennenden Schmerzen führen kann. Bei grippeähnlichen Beschwerden, bei denen Gelenk- oder Muskelschmerzen vorherrschen und sich durch Ruhe sowie Druck bessern, zeigt sich Bryonia ebenfalls als hilfreich. Ein weiterer typischer Befund ist ein starker Durst – die Patienten trinken zwar selten, konsumieren aber große Mengen Flüssigkeit auf einmal.

Die serösen Häute – also Brust, Lungen, Rippen und Zwerchfell – stehen in besonderer Verbindung zu Bryonia. Stechende Brustschmerzen beim Atmen, Husten oder Niesen, die auf Reizungen oder Entzündungen hindeuten, deuten häufig auf Bryonia hin; treten die Schmerzen hingegen unabhängig vom Atmen auf, spricht man eher von Kalium carbonicum. Früher wurde Bryonia häufig bei Lungenentzündungen eingesetzt, wobei sich eine sogenannte „Bryonia-Lungenentzündung“ allmählich über drei bis fünf Tage entwickelt, im Gegensatz zu den plötzlich einsetzendenEntzündungen mit Aconitum oder Ferrum phosphoricum.

Der Bryonia – Husten

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Der typische „Bryoniahusten“ ist so schmerzhaft, dass sich die Patienten beim Husten die Brust halten – ein trockener, harter und quälender Husten, der bis zum Erbrechen reizen kann und sich bei Essen, Trinken oder dem Betreten warmer Räume verschlechtert. Dieses homöopathische Mittel wurde zur Covid-19 Zeit viel eingesetzt, als viele Patienten große Lungenbeschwerden hatten.

Auch bei Brustentzündungen erweist sich Bryonia als wirksam, da die Brüste steinartig, blass, jedoch heiß und schmerzhaft sind und gestützt werden müssen, weil bereits kleinste Bewegungen unerträglich sind.

Patienten, für die Bryonia angezeigt ist, wirken oft unangenehm und reizbar. Sie wünschen sich, in Ruhe gelassen zu werden, reagieren meist nicht auf Ansprachen und werden schnell zornig. Bei Fieber fordern sie häufig, nach Hause gebracht zu werden – obwohl sie sich bereits zu Hause befinden. Kinder zeigen oft unklare Bedürfnisse, ähnlich wie bei Chamomilla, während Bryonia-Betroffene weder aufgenommen noch herumgetragen werden möchten. Das gallige Temperament und der bittere Geschmack im Mund deuten zudem auf Leberprobleme hin. Beschwerden wie Gallensteinkolik oder Gelbsucht, ausgelöst durch Geschäftssorgen oder Selbstkritik, untermauern diese Hinweise. Häufig bessern sich die Leberschmerzen, wenn der Patient auf der rechten Seite liegt, und Begleiterscheinungen wie Leber- und Gallenbeschwerden, Verdauungsstörungen (etwa nach Überessen) sowie Verstopfung werden oft von Kopfschmerzen begleitet.

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Typische Bryonia-Menschen leiden unter Existenzängsten und befürchten geschäftlichen Misserfolg. Sie reden und träumen unablässig von ihren Geschäftsangelegenheiten, wagen kaum zu verreisen und möchten ihr Geschäft unter keinen Umständen verlassen.

Bryonia wirkt bevorzugt auf das zentrale Nervensystem, die Schleimhäute, seröse Häute, die Bronchien, den Magen-Darm-Trakt sowie auf Leber und Gallenblase und passt besonders zu Patienten, die ärgerlich, reizbar und zornig sind.

Zu den Hauptindikationen zählen:

  • Rachen- und KehlkopfentzĂĽndungen
  • trockene Bronchitis
  • BrustfellentzĂĽndungen
  • LungenentzĂĽndungen
  • RippenbrĂĽche bzw. Rippenverletzungen
  • Muskel- und Gelenkrheuma
  • MagenschleimhautentzĂĽndungen
  • Lebererkrankungen
  • Verstopfung
  • Glaukom (grĂĽner Star)
  • Nasenbluten, besonders wenn es anstelle der Menstruation auftritt
  • Gelenkschmerzen nach unterdrĂĽckten Hautausschlägen (infolge von Cortisonsalben)
  • Hexenschuss mit stechenden, reiĂźenden und ziehenden Schmerzen, die sich beim Gehen verschlimmern

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FĂĽr die Mittelwahl sind folgende Aspekte zusammenfassend besonders wichtig:

  • Psychische Symptome: Unverträglichkeit gegenĂĽber Widerspruch, unnötige Angst und Zukunftssorgen, RĂĽckzug, Furcht vor Armut sowie ein GefĂĽhl der Ohnmacht beim Aufstehen;
  • Physische Symptome: ein trockener, schmerzender Reizhusten und heftige Stiche bei jeder Bewegung, beim Atmen und Sprechen; ein starker Durst nach groĂźen Mengen FlĂĽssigkeit; bitterer Mundgeschmack; rissige, pergamentartige Lippen; eine druckempfindliche Leber; ein magendrĂĽckender Schmerz, als läge ein Stein im Bauch; Verstopfung mit trockenem Stuhl und heiĂźe, stechende, berĂĽhrungsempfindliche Gelenke.
  • Allgemeine Indikationen: Ausgeprägte Trockenheit der Schleimhäute sowie eine bevorzugte Beeinträchtigung der rechten Körperseite.
  • Modalitäten: Die Beschwerden verschlechtern sich morgens, beim Genuss von Brot und schon bei der geringsten Bewegung. Tiefes Einatmen, verstärkter Husten beim Betreten warmer Räume und eine schlechte Verträglichkeit von Kohl (etwa Sauerkraut) sind charakteristisch. Eine Besserung tritt hingegen bei Wärme (ausgenommen beim Husten), Schwitzen, Ruhe, Liegen auf der schmerzenden Stelle, in einem dunklen Raum und beim Ausatmen ein.

So präsentiert sich die umfassende Charakteristik von Bryonia – ein Mittel, das durch seine klaren Symptome und Modalitäten überzeugt und in der homöopathischen Behandlung eine bedeutende Rolle spielt.